Am 19. Februar 2026 wurde der Konferenzsaal auf dem Campus der Bundeswehr in Strausberg zum Treffpunkt der Fachwelt: 179 Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Planung, Bauausführung und Industrie folgten der Einladung des VSVI zum zweiten Seminar des Fortbildungsjahres 2026 – mit dem Schwerpunkt Erdbau. Bereits die hohe Teilnehmerzahl zeigte: Die Branche steht vor komplexen Herausforderungen – regulatorisch, technisch und ökologisch. Das Seminar bot dazu fundierte Fachbeiträge, praxisnahe Lösungen und einen intensiven interdisziplinären Austausch.
Fachliche Orientierung im Vorschriftendschungel
Nach der Begrüßung & Moderation des Seminars durch Jens Baumann (Huesker Synthetic GmbH, stellv. Vorsitzender der BG Frankfurt (O.)) eröffnete Kristin Nolte (ASPHALTA Prüf- und Forschungslaboratorium GmbH) mit ihrem Vortrag „Ersatzbaustoffverordnung & Co. – Orientierung im Vorschriftendschungel“ das Seminar. Mit der Ersatzbaustoffverordnung wurde erstmals eine bundeseinheitliche Regelung für die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) geschaffen. Die Referentin erläuterte die umweltfachlichen Anforderungen, die eine schadlose und ordnungsgemäße Verwertung in technischen Bauwerken sicherstellen. Deutlich wurde: Wer Ersatzbaustoffe einsetzen will, benötigt nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein präzises Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen.

Unsichtbare Helden im Brückenbau
Geokunststoffe sind aus dem modernen Infrastrukturbau kaum noch wegzudenken. Julian Funke(Huesker Synthetic GmbH) stellte in seinem Beitrag „Unsichtbare Helden im Brückenbau“ die Wirkungsweise von Geotextilien und Geogittern vor. Im Fokus standen Aspekte wie Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und beschleunigte Bauprozesse. Durch gezielten Einsatz von Geokunststoffen lassen sich Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit von Bauwerken signifikant steigern – bei gleichzeitig reduziertem Materialeinsatz. Ein klarer Beitrag zu resilienter Infrastruktur.
Baumschutz bei Straßenbaumaßnahmen – Verantwortung im Bestand
Henning Buchmann (FAGUS Baumberatung) lenkte den Blick auf ein häufig unterschätztes Thema: den Schutz von Bäumen im Zuge von Straßenbaumaßnahmen. Grundlage ist die DIN 18920, die den Schutz von Wurzeln, Stamm und Krone definiert. Schutzzäune im Wurzelbereich, das Verbot von Materiallagerung und Bodenverdichtung sowie eine ökologische Baubegleitung sind zentrale Maßnahmen, um Stand- und Bruchsicherheit zu gewährleisten. Der Vortrag machte deutlich: Nachhaltiger Straßenbau endet nicht an der Bordkante – er beginnt mit dem respektvollen Umgang mit dem Bestand.
Ressourcenschonend bauen – den Lebenszyklus im Blick
Marie-Therese Hortmann (Huesker Synthetic GmbH) zeigte in ihrem Beitrag Wege zu einer geringeren Umweltlast im Bauwesen auf. Ressourcenschonendes Bauen bedeutet, den gesamten Lebenszyklus – von der Planung über die Bauausführung bis zum Rückbau – systematisch zu betrachten. Ziel ist die Minimierung des Primärrohstoffverbrauchs, die Reduzierung von Energieeinsatz und die Vermeidung von Abfällen. Die vorgestellten Ansätze verdeutlichten, dass technische Innovation und ökologische Verantwortung keine Gegensätze sind, sondern sich strategisch ergänzen.
Brownfields revitalisieren – mit innovativer Bindemitteltechnologie
Heiko Früchting(IBS GmbH) präsentierte mit dem Spezialbindemittel NovoCrete® ST 98 eine innovative Lösung für nachhaltige Bodenverfestigung in der HGT-in-situ-Bauweise. Die mineralische Additivtechnologie verbessert Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Umweltverträglichkeit. Besonders eindrucksvoll: PAK-belastete und kohlehaltige Böden können vor Ort immobilisiert und als Nebenprodukt weiterverwendet werden. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele aus Brandenburg und Berlin wurde das wirtschaftliche und ressourcenschonende Potenzial des Kaltrecyclings mit signifikanten Kosten- und Bauzeitvorteilen belegt.
Impulsverdichtung – mehr Deponieraum durch Technik
Den Abschluss bildete der Vortrag von Ludwig Oelschläger und Patrick Gräbe(Terra-Mix Bodenstabilisierungs GmbH) zur Impulsverdichtung, auch bekannt als Rapid Impact Compaction (RIC). Das Verfahren ermöglicht eine effektive Nachverdichtung von Deponiekörpern in Tiefen von 4 bis 10 Metern. Ein hydraulischer Hammer überträgt dabei Energie über eine Stahlplatte in den Untergrund. Ergebnis: vorhandene Deponievolumina werden effizienter genutzt und die Nutzungsdauer von Deponien signifikant verlängert – ein wichtiger Beitrag zur Flächen- und Ressourcenschonung.
Fazit: Erdbau neu denken
Das Seminar „Erdbau“ zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die aktuellen Herausforderungen im Infrastrukturbau sind – und wie innovativ die Lösungsansätze. Von regulatorischer Sicherheit über materialtechnische Innovationen bis hin zu nachhaltigen Bauweisen spannte sich der Bogen eines inhaltlich dichten und praxisnahen Tages.
Mit 179 Teilnehmenden unterstrich die Veranstaltung die hohe Relevanz des Themas. Der intensive fachliche Austausch machte deutlich: Der Erdbau entwickelt sich weiter – technisch präzise, ressourcenschonend und zukunftsorientiert.
Der VSVI setzt damit seine erfolgreiche Fortbildungsreihe 2026 fort – und macht Lust auf die kommenden Veranstaltungen. 

