Ihm Rahmen des zweiten Treffens unserer Ü65-Mitglieder trafen sich die Teilnehmenden im neuen Synagogenzentrum Potsdam. Insgesamt nahmen 24 der ursprünglich 25 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der gut 90-minütigen Führung teil.
Das erst im Juli 2024 feierlich eingeweihte Synagogenzentrum befindet sich im Herzen der Potsdamer Innenstadt und stellt nicht nur einen bedeutenden Ort jüdischen Lebens in Brandenburg dar, sondern überzeugt auch architektonisch und städtebaulich. Entworfen wurde das Gebäude vom Berliner Architekten Jost Haberland. Der moderne Sakralbau verbindet traditionelle Elemente des Synagogenbaus mit zeitgemäßer Architektur und fügt sich zugleich sensibel in das historische Umfeld am Alten Markt ein.
Betrieben wird das Zentrum von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V. (ZWST). Die Führung wurde persönlich von Herrn Jan-Niklas Zemmel, Leiter des Synagogenzentrums Potsdam, durchgeführt. Mit großer Fachkenntnis, viel Engagement und einer äußerst angenehmen sowie sympathischen Art vermittelte er den Teilnehmenden spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte, die Architektur sowie die religiöse und kulturelle Bedeutung des Hauses.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Offenheit und Detailtiefe der Führung. Herr Zemmel nahm sich viel Zeit, beantwortete zahlreiche interessierte Fragen ausführlich und erläuterte sowohl die baulichen Besonderheiten des Hauses als auch die unterschiedlichen Ausrichtungen der drei jüdischen Gemeinden in Potsdam mit ihren insgesamt rund 700 Mitgliedern.
Ein besonderer Höhepunkt der Besichtigung war der eindrucksvolle Synagogenraum mit seiner Frauenempore. Die Deckenbespannung erinnert an ein Stiftszelt und verleiht dem Raum eine besondere Atmosphäre. Auffällig sind zudem die sieben markanten Fenster an der Fassade, die symbolisch auf die Schöpfung Bezug nehmen. Die moderne und zugleich warme Gestaltung mit viel Holz sowie die zeitgenössische Ausstattung hinterließen bei den Gästen einen nachhaltigen Eindruck. Im Tora-Schrein befinden sich zudem vier besonders wertvolle Tora-Rollen.
Während der Führung wurde ebenfalls deutlich, dass der Entstehungsprozess des Synagogenzentrums von langen Planungs- und Abstimmungsprozessen geprägt war. Hintergrund waren unter anderem die unterschiedlichen Auffassungen und religiösen Ausrichtungen der drei Potsdamer Gemeinden. Umso bemerkenswerter ist die heutige gemeinsame Nutzung des Hauses als Ort des Glaubens, der Begegnung und des Austausches.
Das Synagogenzentrum umfasst neben dem eigentlichen Synagogenraum unter anderem Veranstaltungs- und Begegnungsräume, eine Bibliothek, Musik- und Kunsträume sowie eine Dachterrasse. Ziel des Hauses ist es, jüdisches Leben sichtbar zu machen und soziale, kulturelle sowie religiöse Angebote unter einem Dach zu vereinen. Auch aus ingenieurtechnischer Sicht bot die Führung zahlreiche interessante Aspekte. Themen wie die innerstädtische Bauausführung, die besondere Gründungssituation im Bereich des Grundwassers sowie die moderne Gebäudekonzeption stießen innerhalb der Gruppe auf großes Interesse.
Die VSVI Berlin-Brandenburg bedankt sich herzlich bei Herrn Zemmel und dem Team des Synagogenzentrums Potsdam für die informative, eindrucksvolle und äußerst interessante Führung sowie die freundliche Betreuung vor Ort. Der Besuch bot den Teilnehmenden nicht nur interessante fachliche Eindrücke, sondern auch wertvolle Einblicke in jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Brandenburg.
Am 15. Juli 2026 steht für die Ü65-Mitglieder die nächste Veranstaltung an: eine Führung durch den Park Sanssouci mit dem Gartenhistoriker Dr. Jörg Wacker.
